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XII. Kapitel.

meisten für die Zwecke der Textilindustrie kultivierten Pflanzen, welche den Faserstoff aus dem Baste des Stengels liefern, so ist es auch hier von der größten Wichtigkeit, gerade die den Faserstoff erzeugenden Pflanzenorgane, also die Stengel, in möglichst kurzer Zeit zur Ent- wickelung und zu kräftigem Wachstum zu veranlassen. Die Erfahrung lehrt im allgemeinen, daß nur dadurch die Gewinnung einer ge­schmeidigen, nicht holzigen Faser gesichert wird. Daher ist es außer der Berücksichtigung des Feuchtigkeitsgehaltes der Luft auch nötig, zu der Zeit, |wo das Längenwachstum der genannten Organe beginnt, die direkte Bestrahlung der ganzen Pflanze durch die Sonne, wodurch sonst die Entwickerimg der Blüten und Früchte begünstigt würde, zu mildern, ohne doch andererseits die Einwirkung der Sonne, wie in anderen Fällen z. B. durch Schattenbäume u. dergl., zu verhindern. Man sollte hierauf auch schon bei der Aussaat Rück­sicht nehmen, indem man die Dichtigkeit derselben durch Säemaschinen in der zweckentsprechenden Weise regelt. Die Pflanzen gelangen da­durch allmählich dazu, sich gegenseitig zu beschatten, ohne sich doch andererseits durch eine allzu dichte Aussaat wieder gegenseitig im Wachstum zu hindern. Beim Anbau des Flachses z. B. erreicht man dasselbe auch dadurch, daß man die Pflanzen in engen, von Nord nach Süd ziehenden Thälern kultiviert, welche an beiden Seiten von hohen Bergen eingeschlossen sind. Die direkte Bestrahlung durch die Sonne dauert daher täglich nur einige wenige Stunden, mag sie auch, wie z. B. in den derart orientierten Tyroler Thälern, eine sehr hohe Intensität erreichen. Auch ist der Feuchtigkeitsgehalt der Luft daselbst wenigstens teilweise ein ziemlich erheblicher. Daß für die Jutepflanze ein fruchtbarer Boden ebenfalls zu den Erfordernissen gehört, um eine gute Faser zu erhalten, ist fast selbstverständlich: ebenso selbstverständlich sollte man meinen wäre es, das Feld gut zu düngen und überhaupt eine rationelle Kultur einzuführen. Hiervon ist aber in Bengalen, welches in der Kultur der Jute bis jetzt alle Konkurrenz geschlagen hat, nichts zu merken; nur das weiß man dort ganz allgemein, daß Grundwasser der Entwickelung der Pflanze schädlich ist, aber Felder, welche früher vom Meere über­flutet waren, für die Jutekultur sich ganz besonders eignen. Wahr­scheinlich sind es hier namentlich die aus dem Meerwasser zurück­gebliebenen Salze, welche sich z. T. auch wegen ihrer leichten Löslichkeit für die Jutekultur vorteilhaft erweisen. Wenn aber trotz der geringen Sorgfalt, welche man in Bengalen dem Anbau der Jutepflanze widmet, die letztere dennoch imstande ist, so be­deutende Erträge zu liefern, wie oben mitgeteilt wurde, so leuchtet ein, daß die Erfolge sich noch ungleich mehr steigern würden, wenn man die Kultur der Jutepflanze mit allen Mitteln, welche die Wissen­schaft uns an die Hand giebt, betreiben wollte. Die deutschen Kolonien