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XII. Kapitel.

gelagert ist. Insbesondere aber ist der zarte Siebteil aller Piassaven durch einen mächtigen Bastbelag geschützt, welcher die Masse des Siebteiles mitunter um das 1015-fache übertrifft (Fig. 120, B |u. C) und zur Festigung des lebenden Pflanzenteiles dient, außerdem aber in technischer Beziehung den wesentlichen Bestandteil der Pias- save bildet. Der den Gefäßteil bedeckende, also innere Bastbelag er­reicht dagegen seltener eine derartige Mächtigkeit. Diese beiden Bastbelege treten in den Piassaven kaum zu einem ununterbrochenen Bastmantel (ringsum geschlossener Sklerenchymscheide) zusammen, sondern lassen behufs des Nahrungstransportes Zugänge zu dem Grundparenchym frei, welche von dünnwandigen oder wenig ver­dickten Durchlaßzellen gebildet werden (D in Fig. 120, B und C) und von derjenigen Stelle des Bündels ausgehen, an welcher der Siebteil an den Gefäßteil grenzt. Diese Zugänge bilden an den Piassaven außerordentlich feine, makroskopisch kaum erkennbare Längsspalten, welche sich indessen, wenn auch nur sehr selten und nur auf sehr kurze Strecken, schließen können, und zwar entweder gleichzeitig auf beiden Seiten oder abwechselnd auf der einen oder auf der anderen Seite der Piassave. Im ersteren Falle würde dann für eine kurze Strecke der oben genannte ununterbrochene Bastmantel entstehen.

Trotz der Uebereinstimmung besitzen die genannten Piassaven doch im einzelnen sehr charakteristische Merkmale und lassen sich leicht unterscheiden und erkennen. Am kürzesten und einfachsten dürfte die folgende Tabelle hierüber Aufschluß geben.

A. Die Piassaven bestehen aus einzelnen Leitbündeln, welche in der lebenden Pflanze mehr oder weniger isoliert und annähernd parallel miteinander verlaufen.

a) Der Siebteil zerfällt in zwei oder mehr Gruppen, welche z. T. durch Fortsätze des Bastbelages von einander getrennt werden 1 ) (Fig. 120, B).

1) Die ifa£>Mz-Piassave, ein Leitbündel aus der Blattscheide von Raphia vinifera, ist im Querschnitt eirund und mißt in der Längenausdehnung des letzteren 1,601,75 mm, in der Breite 1,20 mm. Der äußere Bastbelag, d. h. derjenige des Siebteiles, hat eine Mächtigkeit von 0,620,65 mm, der innere, d. h. derjenige des Gefäßteiles, eine solche von 0,200,25 mm. Beide Bastbelege sind ziemlich gleichmäßig rotbraun und führen gleichartige und gleich­große Bastzellen, deren Durchmesser 0,0150,02 mm beträgt (Fig. 120, B). Mitunter entsendet der Gefäßteil Fortsätze nach dem Sieb­teil hin, welche allerdings nicht direkt an den Siebteil angrenzen, sondern von demselben durch keilförmige Fortsätze des Bast-

1) H. v. Mohl (in MaetiüS, Historia natur. palmarum, Vol. I, Tab. K, und in: Vermischte Schriften, p. 140 u. 146) fand dies auch bei Sagus Ruffia Jacq. (Raphia pedunculata P. B.), sowie bei einigen anderen Palmen; Kny (TJeber einige Abweichungen im Bau des Leitbündels der Monocotylen, in Verh. d. Bot. Ver. der Prov. Brandenburg, Jahrg. 1881) beobachtete dasselbe nicht nur bei einer größeren Anzahl von Palmen, sondern auch bei anderen Monocotylen, und gab zuerst eine genauere Darstellung dieses eigenartigen Baues.