— 35 —
„angangär" und der Zauberer heißt „tena angangär". Dieser verschafft sich, um zu seinem Ziele zu kommen, ein Härchen, Speisenüberreste, Speichel oder sonst irgendein Ding, das mit dem zu Verzaubernden in Berührung gekommen ist — man nennt dieses sein „püta". Das „püta" legt der Zauberer auf ein Blatt, rollt es zusammen, macht ein Päckchen daraus und steckt es in ein Bambu- rohr. Dieses gräbt er in die Erde, legt einen heiligen Stein (biut) 1 darauf und stampft den Boden fest. Sodann legt er ein großes Blatt vor das Gesicht und ruft unter allerlei Formeln und Verwünschungen auf den zu Verzaubernden seinen Schirmgeist (türangan) an. Der „türangan" hört das Flehen, er entführt die Seele des zu Verzaubernden aus dem Körper und fährt mit ihr zu dem Orte, wo das „püta" vergraben liegt. Dort bleibt der „türangan" mit ihr auf einem Steine sitzen und gibt ihr Gift und Exkremente von Geistern (tämbaran) zu essen. Infolge dieses Genusses muß der zu Verzaubernde sterben.
Nun, wo schon die Seele aus dem Körper gestohlen worden ist, kann der „tena angangär" auch leicht den Körper töten. Er greift zum Gift, von dem er die verschiedensten Arten kennt. Der zu Verzaubernde stirbt dann unter gewissen charakteristischen Begleiterscheinungen, der Körper verzerrt sich, und Blut fließt aus Nase und Mund. Diese Wirkung wird einer bestimmten Giftart zugeschrieben.
Nicht immer ist derjenige, dessen Seele dem Körper entführt ist, dem Tode verfallen, denn es gibt auch lebenbringende Gegenzauberer, die die Wirkung des Todeszaubers vereiteln können. Dem Gegenzauberer liegt es ob, das „püta" des zu Verzaubernden zurückzuer- langen, denn in diesem Falle hat der böse „türangan" keine Macht mehr über die Seele, er kann ihr daher nicht mehr die verderblichen Speisen zu essen geben. Der lebenspendende Zauberer ruft seinen guten „türangan" an mit der Bitte, das „püta" des zu Verzaubernden wieder herbeizuschaffen. Der Geist hört sein Flehen und trachtet nun danach, dem bösen „türangan" das gestohlene „püta" wieder zu entwinden. Es entspinnt sich nun ein Kampf zwischen den beiden Geistern, bei dem der Stärkere die Oberhand behält. Während nun die Geister im Verborgenen um das „püta" kämpfen, legt der Gegenzauberer verschiedene Päckchen mit Betelkaumaterial zurecht unter
1 Der „biut" ist ein einfacher, roher Stein — nicht zu verwechseln mit dem „tomelemar", dem Inietsteingebüde.
3*

